Warum Lektorat und Profi-Cover unverzichtbar sind.

Warum Lektorat und Profi-Cover unverzichtbar sind.

Geschrieben von Carin Müller

Fehler sind gut und wichtig, weil man idealerweise aus ihnen lernen kann. Es gibt aber auch welche, die sollten sich angehende Autoren idealerweise direkt sparen. Dieser Artikel wendet sich an die Selfpublisher unter euch, denn in den genannten zwei Aspekten haben es die VerlagsautorInnen tatsächlich leichter: Lektorat & Coverdesign! Für erfahrene Kolleginnen und Kollegen sind diese beiden Punkte selbstverständlich – einige, weil sie schon selbst eine bittere Lernerfahrung machen müssen (dazu gehöre ich!), andere dagegen waren von Anfang an professionell genug – aber für viele Neulinge scheinen Erscheinungsbild und Inhalt tatsächlich zweitrangig zu sein. Sie finden:

Annahme 1: »Ich brauche kein Lektorat!«

Gefühlt steht in jedem Schreibratgeber, in allen Tipp-Sammlungen für Jungautoren und in sämtlichen Communitys der Satz »Jede Geschichte braucht ein Lektorat!« ziemlich prominent ganz am Anfang. Umso erstaunlicher, dass viele meinen, trotzdem darauf verzichten zu können. Warum bloß? Ich kenne die Antworten: »Ich mag mir von niemandem in meine Story reinreden lassen«, lautet eine der beliebtesten. Schließlich sei man ja aus genau diesem Grund Selfpublisher geworden, um frei und unabhängig bleiben zu können. Was für ein Unsinn! Jede Geschichte wird besser, wenn ein professionelles, unabhängiges Paar Augen sich mit ihr befasst. JEDE! Als Autor ist man betriebsblind und ignorant für Logikfehler und schwache Dramaturgie – gerade weil man die Geschichte so lebendig im Kopf hat. Ein externer Profi bringt da Ordnung rein. Ein Lektorat ist übrigens nicht gleichzusetzen mit einem Korrektorat. Das braucht man noch zusätzlich. In diesem letzten Bearbeitungsschritt werden dann die letzten Tipp- und Grammatikfehler ausgemerzt. Vor dem Lektorat empfiehlt sich in vielen Fällen auch noch das Feedback von Testlesern, die ebenfalls zum Teil sehr guten Input liefern. Das ist langwierig und teuer? Ja und ja – aber es lohnt sich! Wer sein Buch ohne Lektorat und Korrektorat veröffentlicht, verschenkt nicht nur enorm viel Potenzial, sondern handelt sich ohne Not (aber häufig zurecht) auch reichlich miese Kritiken ein. Das muss doch nicht sein, oder? Lasst euch ruhig von mehreren Lektoren ein Probelektorat anfertigen (ist in den meisten Fällen gratis), dann seht ihr gleich, ob ihr auf der gleichen Wellenlänge schwimmt. Gute Lektoren findest du in unserer Datenbank und natürlich über den Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) https://www.vfll.de/ . Achtung: Lektor ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Neben wirklich großartigen Leuten, tummeln sich auch nicht ganz so tolle, die ihr Netz nach unerfahrenen Neulingen auswerfen. Aber auch die erkennt man nach einem Probelektorat!

Annahme 2: »Ich brauche kein Cover-Design!«

Ich stimme dieser Aussage zu, wenn man neben seiner Autorentätigkeit auch ausgebildete Grafikdesignerin ist und schon viel Erfahrung in der Buchbranche gesammelt hat! Ja, solche Leute gibt es (ich bin sogar mit einigen befreundet!), aber sie sind rare Ausnahmen! Trifft diese Beschreibung nicht auf euch zu, braucht ihr sogar ganz dringend ein Profi-Cover, denn in den allermeisten Fällen entscheidet das Titelbild darüber, ob ein Buch gekauft wird oder nicht. Entscheidend ist dabei nicht nur fachliches Geschick, sondern auch noch Branchen-Know-how, der Designer sollte sich also unbedingt im Buchmarkt auskennen (oder sich zumindest kompetent ​schlaumachen). Meine ersten SP-Cover hat ein Grafik-Designer kreiert, der zwar fachlich top ist, aber leider keine Ahnung von den gängigen Trends hatte. Glaubt mir, ich habe dafür teures Lehrgeld gezahlt. Tolle Cover-Designer finden sich übrigens viel leichter als Lektoren, sie tummeln sich in unserer Datenbank, zuhauf in den sozialen Medien und haben keine Scheu, ihre Kreationen zu präsentieren. Da bekommt man ganz schnell einen guten Eindruck, was passen könnte und was nicht. Es gibt zudem auch einige Anbieter wirklich guter Pre-made-Cover. Das sind fertige Designs, die nur noch mit deinem Namen und dem Titel ergänzt werden müssen. In der Regel sind sie erheblich günstiger als ganz neu erstellte Entwürfe. Eine tolle Alternative ist auch die Seite 99 Designs https://99designs.de/ , wo man sich nach einigen vorgegebenen Parametern Entwürfe von mehreren Künstlern erstellen lassen kann. Mein Tipp: Fangt bereits beim ersten Kapitel an, Geld für euer Buchprojekt zu sparen, damit ihr vor Veröffentlichung ein Budget von mindestens 2.000 € (besser mehr) für Lektorat, Korrektorat, Coverdesign, ggf. auch Buchsatz und die ein oder andere Marketing-Maßnahme zur Verfügung habt! Ja, das ist viel Geld, aber es ist gut investiert und praktisch die einzige Chance, ein konkurrenzfähiges Produkt auf den Markt zu bringen, das auch Einnahmen erzielen wird, die idealerweise die Anfangsinvestition wieder einspielen.

Kleine Anmerkung: Ich bin für diesen Text davon ausgegangen, dass ihr eure Bücher tatsächlich auch verkaufen wollt, also als professionell agierender Player mit Gewinnerzielungsabsichten im Buchmarkt auftreten möchtet. Im Hobbybereich kann man sich ganz sicher auch ohne Proficover und -lektorat ausprobieren. Weitere Anfängerfehler – und wie man sie vermeiden kann – habe ich auf meiner Website im Artikel »Die 5 krassesten Anfängerfehler von SP-Autoren« aufgelistet. Wenn es euch interessiert, klickt hier: https://carinmueller.de/blog/2019-10-10/die-5-krassesten-anfaenger-fehler-von-sp- autoren

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