NetGalley ein (potentieller Weg) in den lokalen Buchhandel

NetGalley ein (potentieller Weg) in den lokalen Buchhandel

Ein Erfahrungsbericht von Christine Heimannsberg

Viele (selbstverlegende) Autoren unter uns treiben zwei Fragen am meisten um: Wie komme ich ethisch korrekt an Rezensionen? Und wie bringe ich mein Buch in den stationären Buchhandel?

Wege gibt es mehr als einen und in diesem Artikel möchte ich über eine kostenpflichtige Variante erzählen, die beide Fliegen mit einer Klappe schlägt: NetGalley.

Zum Hintergrund: NetGalley ist eine Plattform für professionelle Leser*innen, also Buchhändler*innen, Journalist*innen, Blogger*innen, Bibliothekar*innen und Lehrpersonal. Verlage und Selfpublisher*innen bieten hier ihre Neuerscheinungen, in der Regel noch vor Veröffentlichungstermin, als digitale Leseexemplare an, auf die sich die Plattform-User dann bewerben.

Der Verlag oder der*die Selfpublisher*in entscheidet dann, wer ein Leseexemplar erhält und wer nicht. In einer Statistik wird angezeigt, wie häufig (prozentual) der*die Bewerber*in den Zuschlag bisher erhalten hat. Das ist eine wichtige Zahl, denn sie verrät, ob die Person jemand zu sein scheint der*die nur Bücher ›abgreift‹ und dann im Untergrund verschwindet, oder ob diese Person auch Rückmeldungen, bzw. Rezensionen vergibt. Je häufiger der*die Bewerber*in feedbackt, desto höher ist sein*ihr Ranking. Generell kann man festhalten, dass die meisten Buchhändler*innen keine Rezension schreiben, aber rückmelden, ob sie das Buch in ihr Sortiment aufnehmen, es empfehlen würden oder interessiert sind den*die Autor*in für z.B. eine Lesung einzuladen. Da NetGalley aber eine sehr hohe Reichweite (auch unter Bloggern) hat, stehen die Chancen, viele Rezensionen zu erhalten, sehr gut.

NetGalley bietet eine recht ausführliche Statistik, die einige Rückschlüsse auf die Vermarktung des Buches zulässt: So gibt es z.B. einen ›Daumen hoch / Daumen runterButton, anhand dessen die User das Cover bewerten. So bekommt der*die Autor*in schon vor Veröffentlichung einen Eindruck darüber, ob das Cover ›funktioniert‹. Weitere Statistiken zeigen ›das meistangefragte Buch‹ (unterteilt in ›Gesamt‹ und ›Genre‹), wer das Buch anfragt, als Blogger, Journalisten oder Buchhändler, wie häufig es dann tatsächlich heruntergeladen wird, wer rezensiert etc. Ich habe NetGalley für die ersten beiden Bände meiner Trilogie Gelobtes Land genutzt. Hier Einblicke in meinen ersten NetGalley-Durchgang mit Gelobtes Land – Hoop.

Aufrufe: 1795

Das heißt, der Titel wurde 1795 mal angeklickt. Daraus resultierten …

Leseexemplaranfragen: 353

Bei den Zusagen habe ich mich vor allem auf Buchhändler*innen, Bibliothekar*innen und Blogger*innen konzentriert.

Feedback: 67

Hier sind Rezensionen, Sterne-Verteilungen und Kurzfeedbacks enthalten.

Rezensionen: 50

Die Rezensionen wurden auf NetGalley, aber zum großen Teil auch auf Amazon und anderen Verkaufsforen geteilt.

Buchhandlungen: 87 %

87 % der Testleser*innen gaben an, das Buch ins Sortiment aufnehmen zu wollen, was ungefähr 20 Buchhandlungen entspricht.

Wir alle kennen die Aussage, dass Selfpublishing-Titel nur geringe Chancen hätten, in Buchhandlungssortimente aufgenommen zu werden. Für mich schließt NetGalley hier eine Lücke. Du hast die Möglichkeit, für deinen Titel beim Fachpublikum zu werben, die wiederum können unverbindlich prüfen, ob sie dein Buch für verkaufbar halten. Neben der einfachen Listung deines Titels bietet NetGalley außerdem verschiedene Marketingmaßnahmen an. Diese Leistungen kosten extra und können je nach Belieben dazugebucht werden.

Das Portfolio umfasst:

  • Banner / Titel Highlight
  • Einzelnewsletter
  • Themennewsletter
  • Einzeltitelkampagne
  • für die Listung 350,- € für sechs Monate
  • Marketingportfolio Preise auf Anfrage, ab ca. 400 €

Tipp: Die Marketing-Plattform Feiyr von Nova MD bietet ihren Autor*innen eine Listung bei NetGalley für 30 Tage zum Preis von 89,- € an. (Stand April 2020)

Fazit: Wer wissen möchte, ob das eigene Buch zwischen Verlagstiteln mithalten kann, der bekommt bei NetGalley die Möglichkeit dazu. Noch immer sind die Selfpublisher-Titel in der Unterzahl und es zeichnet sich sehr schnell und deutlich ab, ob das eigene Buch professionell genug gearbeitet ist. Die Zielgruppe dieser Plattform hat kein Verständnis für unkorrigierte und schlampig lektorierte Bücher. Dazu kommen die Sehgewohnheiten beim äußeren Erscheinungsbild – professionelles Cover oder selbst gezeichnet? Somit hat der*die Autorin hier zwei Chancen: das Buch noch vor Release zurückziehen und noch einmal zu überarbeiten, oder sich stolz auf die Schulter klopfen, weil es mit der großen und professionellen (Verlags-)Konkurrenz gut mithalten kann.

Mehr zu Selfpublishing-Tools und Tipps bekommst du in meinem zweimal monatlich erscheinenden Selfpublishing-Newsletter. Anmeldung über www.christineheimannsberg.de

2 Gedanken zu „NetGalley ein (potentieller Weg) in den lokalen Buchhandel

  1. interessanter Artikel, danke. Eine Frage haette ich aber zum Weg in dern Buchhandel: Wuerden diese interessierten Verlage auch Buecher nehmen, die ueber KDP PoD gedruckt werden oder nur ueber andere Anbieter? Danke : )

  2. Ich habe Netgalley ebenfalls mit einem Buch versucht. Ich bekam viele positive Rückmeldungen, einige Rezensionen (allerdings kaum eine bei Amazon – das ist bekanntlich nicht die Lieblingsplattform der Buchhändler) und habe eine Handvoll Prints verkauft. That’s it. Da es in Summe relativ teuer ist, habe ich es bisher nicht wiederholt.
    Nun meine Frage: hat jemand Erfahrungswerte, ob häufiger Aktionen zu besseren Ergebnissen führen?

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