Meine Schreibgruppe und ich

Meine Schreibgruppe und ich

Ein Erfahrungsbericht von Christina Löw

Was macht ihr da eigentlich? Schreibt ihr zusammen? Diese Fragen höre ich immer wieder, wenn ich erzähle, dass ich meine Schreibgruppe treffe – im Moment auf digitalem Wege. Nein, entgegne ich dann, aber wir sprechen über das, was wir geschrieben haben und/oder schreiben möchten.

Treffen sich ein paar Studierende in einem Seminar …

So oder so ähnlich begann tatsächlich die Geschichte meiner Schreibgruppe. Denn diejenigen von uns, die 2015 den Grundstein für unser monatliches Treffen legten, lernten sich ‚damals‘ in einem Seminar für kreatives Schreiben an der Universität zu Köln kennen. Ich glaube, wirklich alle von uns hatten in den ein, zwei Semestern davor schon mindestens ein oder zwei andere solcher Seminare besucht, und so hilfreich diese auch waren, wir wollten mehr … Mehr Zeit, um über unsere individuellen Projekte zu sprechen. Mehr und vor allem ausführlicheres Feedback zu den einzelnen Stadien unserer Werke. Mehr Arbeit am Text direkt und nicht ‚nur‘ eine Anleitung für die ersten Schritte.

Also trafen wir uns. Meist an einem Tag am Wochenende, für mehrere Stunden und reihum in wechselnden Wohnungen. Ausgestattet mit Snacks, Getränken – und Texten.

Und was macht ihr nun bei diesen Treffen?

Einige Tage vor dem eigentlichen Treffen stellen diejenigen der Runde, die gern ein Kapitel, ein Exposé, einen Plot oder auch eine grobe Idee besprechen möchten, ihr Material den anderen zur Verfügung. Alle lesen sich ein, machen sich mit den Projekten vertraut, sammeln Anmerkungen und Fragen – und wenn ein Text schon fortgeschrittener ist, wird auch der digitale Rotstift ausgepackt, an Formulierungen geschliffen, möglicherweise überflüssige Passagen markiert und Fehler ausgemerzt.

Beim eigentlichen Treffen tauschen wir uns dann über all das aus. Ehrlich, aber konstruktiv. Wie auch bei den Lesenden fertiger Bücher ist der subjektive Eindruck der Einzelnen unserer Gruppe durchaus recht unterschiedlich und das ist auch gut so. Denn so bekommt jede:r von uns vielfältiges Feedback zu den eigenen Texten und Ideen und kann am Ende selbst abwägen, was er/sie annimmt oder verwirft. Auch fallen uns allen unterschiedliche Dinge besonders stark auf. Jede:r hat seine/ihre ‚Spezialfertigkeiten‘. Ich persönlich kann z.B. keinen Text lesen, ohne automatisch Rechtschreibfehler zu korrigieren oder zu bemerken, wenn es Inkonsistenzen in dem Verhalten von Figuren gibt. Andere finden auf Anhieb die Sätze, die man eigentlich nicht bräuchte, auch wenn man als Schreibende:r vielleicht an ihnen hängt, oder sehen einem Dialog von Weitem an, wenn er sich noch nicht natürlich liest. Und genau diese Vielfalt ist es, die ich über die Jahre so sehr zu schätzen gelernt habe. Das, und natürlich der Zusammenhalt und das Miteinander, das Gefühl von Gemeinschaft, obwohl wir alle an unseren eigenen, ganz unterschiedlichen Projekten arbeiten.

… und sie schreiben und treffen sich immer noch.

In den letzten rund fünf Jahren hat sich einiges geändert – auch bei unserer Schreibgruppe. Wir waren zeitweise mal recht viele, dann ganz wenige und im Moment sind wir oft zu fünft. Es gab Phasen, in denen wir mehr Texte zum Besprechen hatten, als in unser monatliches Zeitfenster passten, und dann wieder gab es Phasen, in denen uns das sonstige Leben vom Schreiben abgehalten hat oder Deadlines für Abgaben schneller kamen und gingen, als wir die einzureichenden bzw. eingereichten Texte vorher ausführlich in der Gruppe diskutieren konnten.

Und doch haben wir uns (abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen) jeden Monat getroffen. Normalerweise persönlich, in den letzten Monaten durch Corona eben online. Gerade diese Beständigkeit über die Jahre hat viele von uns auch über schreibende Durststrecken hinweg motiviert, sich eben doch wieder hinzusetzen und weiterzuschreiben – wenn die Zeit es erlaubt. Nicht aufzugeben, auch wenn der Weg von der Idee bis zum fertigen Manuskript sehr langwierig und steinig sein kann.

Für mich ist meine Schreibgruppe der ‚Ort‘, an dem ich auch unfertige Projekte dem Feedback anderer aussetzen kann – und ehrliche, aber konstruktive Kritik bekomme. Es ist ein sicherer ‚Raum‘ für meine Texte und mich, an dem auch unausgegorene Ideen und allerallererste Fassungen willkommen sind und zu fertigen Geschichten heranreifen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.