Buch Promotion

Buch Promotion

Ein Erfahrungsbericht von Andreas Wagner

Autoren sehen sich häufig als Künstler. Wer zum ersten Mal ein Buch schreibt, denkt in der Regel nicht an Werbung und Vermarktung, sondern will den Inhalt möglichst gut präsentieren. Doch spätestens, wenn das Werk vollendet ist und niemand es kauft, müssen die Schreiber sich überlegen, wie sie Aufmerksamkeit fürs Erstlingswerk generieren. Genau vor dieser Aufgabe stand ich auch, als ich neulich meinen Ratgeber Raus aus den Alltagssüchten über Amazons KDP veröffentlichte.

Eine Email-Newsletter-Liste habe ich nicht, mein Instagram-Profil zieht bislang nur befreundete Autoren an und auf Facebook hat meine Autorenseite gerade mal ein einziges Like bekommen – von meinem Vater. Also musste ich mir etwas anderes einfallen lassen, um mein Buch zu verkaufen. Da mein Marketing-Budget ein paar Nummern kleiner war als das von Coca-Cola, war Kreativität gefragt.

Private Kontakte

Meine erste Maßnahme kostete zwar kein Geld, dafür unglaublich viel Zeit. Ich bin durch sämtliche Kontakte in meinem Telefonbuch gegangen und habe fast jedem darin eine persönliche Nachricht verfasst, die ich dann am Tag der Veröffentlichung per WhatsApp verschickt habe. Sogar ein paar meiner Ex-Freundinnen und Leute, zu denen ich seit Jahren keinen wirklichen Kontakt hatte, waren Empfänger meiner Nachrichten.

Man kann sich jetzt fragen, ob das wirklich etwas bringt, aber meine Erfahrung war, dass einige Leute sich sehr gefreut haben, dass ich ein Buch veröffentlicht habe. Manche haben es dann sogar in ihrem Freundeskreis weiterempfohlen. Wichtig ist aber, eine persönliche Note in die Nachrichten einfließen zu lassen, damit es nicht nach einer Massen-Nachricht klingt. Da ich mein Buch anfangs kostenlos angeboten habe, brachte mir diese Maßnahme allein schon geschätzte 50 Downloads. Den Zeitaufwand dafür darf man allerdings nicht unterschätzen, zumal man häufig noch Folgenachrichten verschicken muss, wenn die Gegenseite antwortet und vielleicht auch noch Fragen hat.

Facebook Gruppen

Eine weitere kostenlose Werbemöglichkeit, die ich genutzt habe, war die aktive Teilnahme in Facebook-Gruppen zum Thema des Buches. Wenn man sich da immer wieder an Diskussionen beteiligt und hilfreiche Tipps gibt, wird man als Autorität auf dem Gebiet wahrgenommen, was in einigen Buchverkäufen münden sollte. Das gilt vor allem für Sachbuch-Autoren wie mich, kann aber auch für Schreiber von Belletristik durchaus eine gute Idee sein. Dies ist aber eine Maßnahme, die eher langfristig Erfolg bringt.

Podcasts

Wer kurzfristig eine Steigerung der Verkaufszahlen erreichen will, sollte sich darum kümmern, in etablierten Podcasts aufzutreten. Auch diese Maßnahme kostet viel Zeit, aber für mich war diese Möglichkeit sehr lukrativ. Ich musste zwar unzählige Anfragen schicken (auch hier ist ein persönliches Anschreiben essenziell), doch jedes Mal, wenn ich für einen Podcast interviewt wurde, stiegen die Verkaufszahlen in den darauffolgenden Tagen.

Auch hier sind Sachbuch-Autoren leicht im Vorteil, es gibt allerdings durchaus auch Podcasts für Krimis, Thriller, Liebesgeschichten, usw. Diese ausfindig zu machen ist nicht leicht und kostet Zeit, kann aber große Effekte haben. Und zusätzlich bringt solch ein Interview Reputation und trägt zur Markenbildung des Autors bei. Deswegen habe ich jede Podcast-Möglichkeit wahrgenommen, selbst wenn er kaum Hörer hatte.

Gastartikel

Ähnlich gut sind auch Gast-Blogs wie dieser hier. Dabei schreibt ein Autor einen Artikel auf dem Blog einer etablierten Seite. Auch das kann Neugier aufs eigene Buch wecken und neue Leser erschließen. Diese Methode ist aber ähnlich aufwändig wie das Suchen geeigneter Podcasts. Und Vorsicht: es gibt Betreiber von Seiten, die Geld dafür verlangen, dass Autoren Beiträge auf ihren Seiten veröffentlichen. Auch das kann sich unter Umständen lohnen, aber ich habe bislang davon abgesehen, für Blog-Posts zu bezahlen.

Bezahlte Werbung

Wer bereit ist, Geld für seine Promotion in die Hand zu nehmen, hat diverse Möglichkeiten. Der Klassiker dabei sind Buchungen in Email-Newsletter. Diese funktionieren so: Interessierte Leser tragen sich in einen Newsletter ein und bekommen kostenlos Buch-Empfehlungen per Email zugeschickt. Wir Autoren müssen allerdings dafür bezahlen, dass unsere Bücher in die Newsletter aufgenommen werden. Die Preise sind sehr unterschiedlich, je nach Reichweite. Gleiches gilt auch für den Erfolg der Kampagne.

Ich wollte gleich vier dieser Dienste nutzen, bin aber auf unerwartete Schwierigkeiten gestoßen. Während Kindofbooks und Buchdeals reibungslos funktioniert haben und mir ein paar wenige Verkäufe beschert haben (ich habe die Investitionskosten nicht wieder rausbekommen), haben xtme und lesen.net auch nach zwei Monaten nicht auf meine Anfragen reagiert. Einige Autoren scheinen sehr gute  Ergebnisse mit lesen.net erzielt zu haben, diese Werbemaßnahme ist dafür aber auch sehr teuer im Vergleich zu den anderen. Wie gesagt, ich bekam noch nicht einmal die Chance, sie auszuprobieren.

Amazon Ads

Um konstante aber relativ geringe Verkäufe zu erzielen, eignet sich Werbung direkt auf Amazon. Das sind so genannte Pay-per-click Anzeigen, für die man also nur bezahlt, wenn ein potenzieller Kunde auf die Werbung klickt. Doch diese Art der Werbung ist nur profitabel, wenn Cover und Klappentext ansprechend sind, genügend Bewertungen auf der Seite vorhanden sind und man die richtigen Keywords recherchiert. Ich musste da viel experimentieren und habe damit erst mal einiges an Geld verbrannt.

Fazit

Es gibt eine Reihe an kostenlosen und auch kostenpflichtigen Maßnahmen. Keine davon ist deutlich überlegen, aber es kommt einfach darauf an, wie viel Zeit oder Geld man bereit ist zu investieren. Ich würde definitiv die Podcast-Methode empfehlen. Langfristig ist Amazon-Werbung sicherlich auch sinnvoll, weswegen ich jedem Autor empfehlen würde, sich mit dem Thema ausgiebig zu beschäftigen. Für eine kurzfristige Steigerung der Verkaufszahlen schlage ich eine Preisreduzierung in Kombination mit einer Buchung von Newsletter-Werbung vor.

Andreas Wagner war viele Jahre Journalist unter anderem bei WELT und hat gerade sein erstes Buch “Raus aus den Alltagssüchten: Wie Sie mehr Motivation verspüren und ein erfüllteres Leben führen” über KDP veröffentlicht. Weitere Informationen zum Autor gibt es auf seiner Webseite happily-book.com/de

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